7. April 2023

Karfreitag

Jesus stirbt in Schande, er wird zu den Übeltätern gezählt. Doch im Glauben ist seine Passion eine Offenbarung der Herrlichkeit Gottes.

An diesem Tag begeht die Kirche das Leiden und die Kreuzigung ihres Herrn. In der feierlichen Erzählung der Passion nach Johannes erinnert sie sich an die unermessliche Liebe Gottes, und mit der Anbetung des Kreuzes gedenkt sie dankbar seiner Entstehung an der Seite Christi. Jesus stirbt am Kreuz, einer grausamen und schrecklichen Folter, wie Cicero schrieb, und stirbt nach der damaligen jüdischen religiösen Kultur als ein von Gott Verfluchter (vgl. Dtn 21,23). Jesus stirbt also nicht als Märtyrer, sondern in Schande, schwebend zwischen Himmel und Erde, als ob Himmel und Erde sich in dieser tragischen und heilsamen Stunde der Geschichte weigerten, ihn aufzunehmen; er stirbt in Schande, zu den Übeltätern gezählt. Doch im Glauben ist seine Passion eine Epiphanie der Herrlichkeit Gottes, das Zeugnis einer Liebe, die der Hass nicht zerstören und die Sünde nicht auslöschen konnte. Johannes liest die Passion als die Stunde der Verherrlichung (Offenbarung) des Gottessohnes neu. Als Grundlage dient das Thema der Verherrlichung, das im ersten Teil des Evangeliums entwickelt wurde (vgl. Joh 3,14; 8,28; 12,32), und das Thema der Rückkehr Jesu zum Vater (vgl. Joh 13,1). Es zeigt sich die souveräne Freiheit Christi, der vom Augenblick seiner Verhaftung bis zu den letzten Augenblicken seines Lebens das Geschehen leitet. Gegenüber denen, die ihn festnehmen wollten, zeigt er seine Autorität. Vor den Anführern der Juden und Pilatus akzeptiert er nicht die Rolle des Angeklagten, sondern beansprucht sein göttliches Königtum. Am Ende ist er es, der das Kreuz trägt und Maria, die Mutter, dem geliebten Jünger, dem Bild der entstehenden Kirche, übergibt. Der letzte Akt seines Todes besiegelt die Vollendung des Werkes, das ihm der Vater anvertraut hat. Indem die Kirche diesen Tag feiert, lässt sie nicht den Jahrestag eines vergangenen Ereignisses aufleben, sondern verlängert und vergegenwärtigt den Gläubigen das Geheimnis des Todes Jesu.

Ich bin durstig.
Du verlangst Wasser von mir,
Herr,
aus meiner rissigen Zisterne
im dürren Land?
Du sollst nichts erhalten,
du allmächtiger Gott,
wenn mein Durst
Durst du zuerst trinkst,
bis du verdorrt bist.

Kommentar von b. Sandro Carotta, osb
Abbazia di Santa Maria – Praglia (Italia)

Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster

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