19. Februar 2023
Siebter Sonntag im Jahreskreis
Jahr A
Gott ist nicht vollkommen, weil er ohne Fehler ist, sondern weil er niemanden von seinem Herzen ausschließt, weil er seine Kinder nicht in Verdiente und Unverdiente einteilt.
An diesem siebten Sonntag werden die beiden letzten Antithesen vorgestellt: diejenige, die das Gesetz der Vergeltung betrifft, und diejenige, die von der Feindesliebe spricht (vgl. Mt 5,38-48). Der Schwerpunkt bezieht sich jedoch auf den Vater, auf die Vollkommenheit des Vaters, zu der Jesus mahnt (vgl. Mt 5,48). Was meinen wir, wenn Jesus von der Vollkommenheit des Vaters spricht? In erster Linie, dass der Vater möchte, dass wir so sind wie er. Das schreibt Paulus auch den Ephesern: Darum ahmt Gott nach, als geliebte Kinder (Eph 5,1). Jesus bekräftigt dann, dass der Vater allen Menschen (ob gut oder schlecht) das Leben schenkt (Bilder von Sonne und Regen), unabhängig von ihren Verdiensten. Diese Ungeteiltheit ist Ausdruck der Vollkommenheit des Vaters. Mit anderen Worten: Gott ist nicht vollkommen, weil ohne Fehler, sondern weil er niemanden von seinem Herzen ausschließt, weil er seine Kinder nicht in Verdiente und Unverdiente unterteilt. Vollkommen zu sein, wie der Vater vollkommen ist, bedeutet also, die Menschen nicht zu klassifizieren. Als Gott von Abraham verlangte, ganz vollkommen zu sein, meinte er nicht so sehr die moralische Vollkommenheit, sondern dass Abraham in der Einheit, in der Ungeteiltheit bleiben sollte (vgl. Gen 17,1). Stattdessen trennte der Patriarch die Gerechten von den Sündern. Genau aus diesem Grund wurde Sodom zerstört (vgl. Gen 18). Jesus hingegen hat am Kreuz den Gerechten und den Bösen, den Juden und den Heiden, den Mann und die Frau versöhnt (vgl. Eph 2,14.16). Ist diese Nicht-Teilung nicht die Heiligkeit, zu der Lev 19,2 ebenfalls auffordert? Heiligkeit ist, wie wir wissen, das Eigentum Gottes (Jes 63,3). Das Überraschende und Erstaunliche ist, dass das, was Gott von sich selbst hat, mit uns geteilt, uns angeboten und frei gegeben wird (Hebr 12,10). Die Heiligkeit wird also als das Ja des Menschen zum Ruf Gottes (Eph 1,4) bzw. als die Bereitschaft, sich von seiner Vollkommenheit prägen zu lassen, gestaltet. Daher die Verwirklichung dessen, was menschlich unmöglich ist: die Feindesliebe.
Commentary by b. Sandro Carotta, osb Abbazia di Santa Maria – Praglia (Italia)
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster