2. Oktober 2022

Siebenundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis

Jahr C

Die Gabe des Glaubens wächst vor allem in der Tiefe, in einer Dynamik der immerwährenden Neuheit.

Der Glaube ist eine Gabe, die, wie Paulus sagen würde, immer wieder neu belebt werden muss, indem man sich täglich neue Räume erobert, die man durch die tägliche Treue in seiner Beziehung zu Gott einrichten kann. Eine Beziehung, die gewiss nicht unterwürfig ist, sondern eine, in der durch das Bewusstsein, nutzlose Diener zu sein, das Bewusstsein wächst, geliebte und geschätzte Kinder zu sein. In Anlehnung an die Ermahnung des Paulus an seinen geliebten Jünger und vertrauten Mitarbeiter Timotheus könnten wir uns sagen: Schäme dich nicht, ein Mann des Glaubens zu sein. In einem Text, der durch sein Zitat in den Paulusbriefen an die Römer und Galater so berühmt geworden ist, dass er für die christliche Reflexion von grundlegender Bedeutung ist, scheint der Prophet Habakuk angesichts der Kämpfe zwischen verfeindeten Reichen, die versuchen, sich als Supermächte durchzusetzen – wir befinden uns in den Jahren 625-612 v. Chr., als sich aus der Asche des assyrischen Reiches das babylonische Reich erhebt –, die bescheidene Geschichte der Menschen mit einem Lichtstrahl zu erhellen: Der Gerechte wird durch seinen Glauben leben. Es bleibt uns nur, uns die demütige und herzliche Bitte der Apostel zu eigen zu machen: Mehre unseren Glauben. Der Herr Jesus erinnert seine Jünger daran, dass der Glaube nicht vermehrt, sondern radikalisiert werden muss: Wenn ihr Glauben hättet wie ein Senfkorn … (Lk 17,6). Diese absolute Bedingung wird später im Text zur Beschwörung dieses Dieners, der die von ihm verlangten Dinge nicht im Geiste der Knechtschaft tut, sondern mit einer Art Zufriedenheit und Freude. Die Beziehung zwischen Gott und dem Menschen ist nicht die eines Arbeitgebers und Lohnempfängers, sondern die einer bräutlichen Liebe, die sich ohne Berechnung und in absoluter Unentgeltlichkeit verschenkt.

Kommentar von d. Michael David, osb Novalesa Abtei

Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster

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