28. August 2022
Zweiundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis
Jahr C
Demut ist eine oft geübte Kunst, aber selten authentisch, denn echt entspringt sie nur einem Herzen, das mit dem eigenen Menschlichkeit versöhnt ist.
Das Wort Jesu im Evangelium bestätigt und bekräftigt die Worte aus der ersten Lesung: Der Herr wird durch die Demütigen verherrlicht. Aber auch die Demut muss wohldosiert, immer wieder überprüft und von der Heuchelei befreit werden, die auch im Heiligsten lauern kann. Es stimmt zwar, dass wir nicht befürchten müssen, gesagt zu bekommen: Gib den besseren Platz frei! … aber es stimmt auch, dass wir nicht erwarten können, gesagt zu bekommen: Rück weiter auf! Der Herr will uns nicht bestrafen, indem er uns ständig um die Anerkennung bringt, die wir brauchen. Er begleitet uns behutsam und fest, um den Platz einzunehmen, der uns für immer und ewig gehört, der für uns seit der Gründung der Welt vorbereitet wurde und der normalerweise weder der erste noch der letzte ist. Was den Unterschied ausmacht, ist das Bewusstsein, denjenigen ehren zu müssen, der uns eingeladen hat, an der Freude des himmlischen Jerusalems in der festlichen und heiteren Versammlung derer teilzuhaben, die sicher einen Platz im Herzen Gottes haben werden. Die Haltung, zu der der Herr Jesus uns in allen Bereichen unseres Lebens auffordert, ist die einer Einstellung, die von aufrichtiger Aufmerksamkeit für den anderen geprägt ist. Diese einfache und notwendige Einstellung drückt sich in einem Wort aus, wie man es verwendet, wenn man jemanden auffordert, einen Raum zu betreten oder etwas zu essen zu nehmen: Bitte! Hinter diesem Wort kann sich eine einfache und sogar falsche Höflichkeit verbergen oder der aufrichtige Wunsch, dem anderen den Vorrang zu geben, um ihm die ganze Freude zu zeigen, mit ihm zusammen zu sein und seine Gesellschaft zu genießen.
Kommentar von d. Michael David, osb Novalesa Abtei
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster