31.Juli 2022
Achtzehnter Sonntag im Jahreskreis
Jahr C
Alles für alle: Das ist das Gegenmittel zur Eitelkeit! Nur dann können alle in die Herrlichkeit Gottes gelangen.
Der Apostel Paulus versucht, unser Leben neu auszurichten, damit es nicht seinen eigentlichen Sinn verliert, der der wahrste ist: Richtet eure Gedanken auf das, was oben ist, und nicht auf das, was auf Erden ist. Es handelt sich dabei gewiss nicht um eine Flucht vor dem Realen durch eine Mystifi-zierung des Realen, sondern um die Fähigkeit, alles richtig zu gewichten, um der zynischen Betrach-tung des Kohelet zu entgehen. Die Aussage des Kohelet, dass jeder seinen Anteil dem anderen über-lassen muss, macht die Art und Weise, in der der Herr sich der Bitte entzieht, bei der Aufteilung des Erbes zwischen den beiden Brüdern als Schiedsrichter aufzutreten, umso bewundernswerter. Der Herr schreckt nicht vor der Pflicht und der Sorge um die Gerechtigkeit zurück, sondern will uns die Augen für das Wesentliche des Lebens öffnen, bei dem wir leicht Gefahr laufen, den Horizont aus den Augen zu verlieren, in dem sich das Leben abspielen soll: Während immer größere Lagerhäuser gebaut werden, droht das Leben, das seinen Sinn in der Beziehung und im Teilen findet, zu schrumpfen. Der Monolog der Figur im Gleichnis klingt so: „Ich werde meine Scheunen abreißen und größere bauen; dort werde ich mein ganzes Getreide und meine Vorräte unterbringen“ (Lk 12,18). Kohelets Monolog klingt wie ein Kommentar dazu im Hintergrund mit: „Auch das ist Windhauch“ (Koh 2,23).. Der Apostel seinerseits warnt uns vor der Gefahr, hier auf Erden zu ver-flachen: „Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische!“ (Kol 3,2).
Kommentar von d. Michael David, osb Novalesa Abtei
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster