19. Juni 2022
Fronleichnam
Jahr C
Vom heutigen Fest lernen wir, das Wenige, das wir haben, zu teilen, wie Jesus in der Brotvermehrung, die Bild der Eucharistie ist.
Die erste Lesung führt uns in die Feier dieses Festes durch die Gestalt des Melchisedek ein, der Brot und Wein opferte und dem Abram den Zehnten von allem gab. In Melchisedek steckt das Geheimnis eines Menschen, der dazu berufen ist, ein existentielles Priestertum zu leben, das es versteht, die Kämpfe und Mühen seiner Brüder zu teilen. Im Evangelium wird uns gezeigt, wie die Beziehung zur Nahrung als einfache und primäre Befriedigung eines überlebensnotwendigen Bedürfnisses hinauszugehen, hin zur Bereitschaft und Freude am Teilen. In diesem Rahmen einer Haltung des Teilens vermehrt der Herr Jesus das Brot, sodass zwölf Körbe davon überigbleiben. Wenn wir die Gesten der Eucharistie im Gedenken an das Osterfest Christi leben, begeben wir uns auf einen immer neuen Weg der Gemeinschaft und des Teilens. In der Eucharistie empfangen wir das Brot vom Himmel, das auch immer wieder Brot ist, das auf unserer Erde gekeimt ist, und Wein, der in unseren Kellern gereift ist, woran wir uns bei der Gabenbereitung stets erinnern. Doch das Brot, das wir empfangen, ist ein Brot, das uns nährt und in der Lage ist, mehr zu bewirken als uns nur körperlich zu nähren. Es nährt und stärkt den Leib Christi, der die Kirche ist. Die Eucharistie ist kein Ritus, der den Privilegierten vorbehalten ist oder ausschließlich für den letzten Rest der „Reinen“ aufbewahrt wird, sondern das Festmahl, das die allen angebotene Einladung, sich an den von Gott für alle gedeckten Tisch zu setzen, in Erinnerung ruft und erneuert (vgl. Jes 25).
Kommentar von d. Michael David, osb Gemeinschaft von Koinonia de la Visitation
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster