22. Mai 2022
Sechster Sonntag der Osterzeit
Jahr C
Die Treue hört niemals auf, weil die Liebe immer wieder neue Türen für Begegnung und Frieden öffnet.
IDer Moment ist sehr ernst! Der Herr kündigt seinen Jüngern an, dass er sie sichtbar verlassen wird, doch er will sie in Frieden und nicht in Unruhe zurücklassen. Diesen Frieden erwirbt und bewahrt man, indem man sein Wort hält. Die Worte des Herrn Jesus sind besonders dicht: Jetzt wird Jesus nicht mehr zur Stelle sein, er geht zum Vater und weiht eine neue Art der Erfahrung von Beziehung ein. Man könnte sagen, dass seine Gegenwart, an die sich die Jünger nicht nur gewöhnt haben, sondern der sie zu Recht tief verbunden sind, nun in Reichweite des Herzens sein wird. Auf diese Weise wird Christus durch das Geheimnis seines Osterfestes für jeden Mann und jede Frau erreichbar, die sich dem Glauben öffnen, indem sie die Liebe des Vaters und des Sohnes annehmen, der jetzt ein Gesicht und einen Namen hat: den Heiligen Geist. Es handelt sich nicht um eine Abnahme der Präsenz, sondern um einen schwindelerregenden Qualitätssprung, der es jedem Jünger ermöglicht, das gleiche Leben wie der Meister zu führen. Das Versprechen ist feierlich: Ich werde zurückkommen! Der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, ist der Urheber dieser ständigen Wiederkehr Christi in unserem Leben. Die Zeit zwischen Ostern und der Parusie ist die Zeit der heimlichen Besuche des Wortes in der Kraft des Geistes. Es gibt fünf Verheißungen des Geistes beim letzten Abendmahl, und die zweite betrifft eine der Haupteigenschaften des Heiligen Geistes: Er wird lehren und erinnern. Wenn wir seinen Bewegungen und Eingebungen gefügig sind, werden wir keine andere Verpflichtung auferlegen können als die einer gelassenen und symphonischen Freiheit, das wahre Gesicht der doppelten Treue zu Gott und zum Menschen, die die paulinischen Güter der verpflichtenden Liebe und des Friedens garantieren. Dies ist die Zeit der Gegenwart des Lammes in den Herzen der Gläubigen, dies ist Jerusalem mit zwölf Toren, sodass die hohen Mauern im Inneren Intimität schaffen, ohne dass jemand von außen ausgeschlossen wird.
Kommentar von d. Michael David, osb Gemeinschaft von Koinonia de la Visitation
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster