10. Oktober 2021
Achtundzwanzigster Sonntag im Jahreskreis
Jahr B
Im reichen Mann manifestiert sich eine heimtückische Versuchung: die Unfähigkeit, sich von seinem Reichtum zu trennen, weil er sich nicht selbst zurücknehmen kann.
Im Hebräerbrief heißt es, dass Gott „alles liegt nackt und bloß vor den Augen“ liegt. Die Worte und der Blick Jesu legen den Wunsch des Mannes offen, der ihn fragt, was er tun muss, um das ewige Leben zu erlangen. Sie entlarven vor allem seine Einstellung, die ihn dazu bringt, auf das zu vertrauen, was er zu besitzen glaubt und was er kann. Dies ist sein Reichtum, von dem er sich nicht trennen kann. Dazu gehören nicht nur seine Besitztümer, sondern auch das, was sie symbolisch für seine Existenz darstellen: Den Anspruch, ein erfülltes Leben zu führen, indem er auf sich selbst vertraut. Es entsteht ein Parallele zwischen der gescheiterten Nachfolge des reichen Mannes einerseits und der Nachfolge der Jünger, die alles verlassen haben, andererseits. Die radikale Nachfolge der Jünger kommentiert Jesus mit den Worten: „Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott; denn für Gott ist alles möglich.“ Der wahre Reichtum, so verkündet die erste Lesung, liegt in der Weisheit. Es ist die Weisheit, die jemanden veranlasst, nicht auf seine eigenen Fähigkeiten zu schauen, sondern auf Gottes Hilfe zu vertrauen. Der reiche Mann folgt Jesus nicht nach und geht traurig weg, ein Zeichen für ein Leben, das in Traurigkeit verharrt, weil es sich auf sich selbst beschränkt, auf das, was es bereits weiß und besitzt. Im reichen Mann manifestiert sich eine heimtückische Versuchung: die Unfähigkeit, sich von seinem Reichtum zu trennen, weil er sich nicht selbst zurücknehmen kann.
Kommentar von der Gemeinschaft von Dumenza
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster