27. Juni 2021
Dreizehnter Sonntag im Jahreskreis
Jahr B
Jesus begegnet der Zeit des Leidens und des Todes und verklärt sie, indem er sie zu einer Zeit der Begegnung mit seiner Person und seiner Liebe macht.
Indem Markus die Perikopen von der blutflüssigen Frau und der Tochter des Jairus miteinander verwebt, verwebt er auch die Zeit. Die Frau hatte zwölf Jahre lang geblutet, während das Mädchen zwölf Jahre alt ist, als es stirbt. Die Zeit des Lebens dieses kleinen Mädchens (zu kurz!) entspricht der Zeit der Krankheit der Frau (zu lang!). Wie lang, unendlich lang, ist die Zeit des Leidens; wie kurz, unaufhaltsam, ist die Zeit des Lebens! Dennoch sind es in beiden Fällen zwölf Jahre. Zeit besteht aber nicht nur aus dem Vergehen von Stunden, Tagen und Jahren, sondern aus der Wahrnehmung, die wir von ihr haben. Und es ist anders: Es scheint uns, dass die Zeit des Leidens nie endet, während die Zeit des Lebens und der Freude immer zu kurz ist. Jesus, so erzählt uns Markus, macht sich in unserer menschlichen Zeit gegenwärtig und verklärt sie. Dank seiner Anwesenheit wird die Zeit zu einem Raum der persönlichen Begegnung. Jesus will uns von Angesicht zu Angesicht begegnen, deshalb zeigt er der Frau, die ihn von hinten berührt, sein eigenes Gesicht. Er nimmt das Mädchen bei der Hand und spricht es persönlich an. Er verklärt unsere Zeit und schenkt uns Leben, in einer Begegnung, die uns ihm ähnlich macht. Wie Paulus schreibt, ist er, um uns zu begegnen, arm geworden, um uns mit seiner Armut zu bereichern. So ermöglicht er uns, ihm zu begegnen und ihn wirklich zu kennen, ihm gleich zu werden.
Kommentar von der Gemeinschaft von Dumenza
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster