15. November 2020
Dreiunddreissigster Sonntag im Jahreskreis
Jahr A
Weil der dritte Diener kein Vertrauen zu Gott hat, verliert er den Glauben an sich selbst. Neben seinem Meister fürchtet er auch seine eigenen Grenzen.
Axus dem Gleichnis mit den Talenten ergeben sich drei Aspekte: Erstens hat der Herr dieses Gleichnisses Vertrauen in seine Diener. Es handelt sich auch um ein proportionales Vertrauen. Es wird entsprechend den Fähigkeiten eines jeden Einzelnen gewährt. Wenn das Vertrauen im Gegenteil unverhältnismäßig wäre, würde es sich wirklich als hart und anspruchsvoll erweisen. Der dritte Diener würde dann zu Recht sagen, dass sein Herr auch dort erntet, wo er nicht gesät hat, d.h. er verlangt mehr als das, was jeder einzelne ihm geben kann. Schließlich verliert dieser Diener, der das Vertrauen seines Herrn nicht ernstnimmt, seinem Herrn nicht vertraut und sogar Angst vor ihm hat, am Ende sogar sein Vertrauen in sich selbst. Er begräbt sein Talent, weil er nicht nur vor seinem Meister, sondern sogar vor seinen eigenen Grenzen Angst hat. Es ist nicht einfach Faulheit, vielmehr ist es Faulheit, die aus mangelndem Selbstvertrauen entsteht, das wiederum durch ein falsches Gottesbild erzeugt wird. Aber wir haben noch nicht alles gesagt. Der überraschendste Gesichtsausdruck des Herrn offenbart sich im Moment der Rechenschaftspflicht: Er fordert seine Diener auf, ihre Handlungen zu rechtfertigen, aber er verlangt weder das, was er anvertraut hat, noch das, was jeder von ihnen verdient hat, zurück. Gott ist kein Meister, der seine Gaben zurückverlangt. Und der Lohn, den er uns bietet, besteht nicht in den Talenten, mit denen er uns bereichert, sondern darin, uns an seiner eigenen Freude teilhaben zu lassen.
Kommentar von der Gemeinschaft von Dumenza
Übersetzung von fr. Daniel Tibi, Abtei Kornelimünster